VEEKmeets zum Thema „Mehr als Unterhaltung: Kino als Bühne für Werte und Haltung“

Zwischen Popcorn und Politik: Warum Kino mehr ist als Kommerz //

Kino im Spannungsfeld zwischen Werten, Kunst, Idealismus und Erfolg

Am 8. Oktober 2025 fand unter dem Titel „Mehr als Unterhaltung: Kino als Bühne für Werte & Haltung“ eine besondere Ausgabe von VEEKmeets statt. Gemeinsam mit KINOPOLIS und Weischer.Media lud die Versammlung Ehrbarer Kaufleute zu Hamburg e. V. (VEEK) zu einem inspirierenden Abend rund um die gesellschaftliche Bedeutung des Kinos ein.

Inspiriert vom 33. Filmfest Hamburg mit seinen 118 Filmen aus 55 Ländern und einem neuen Besucherrekord von 62.000 Gästen begrüßte die VEEK erneut hochkarätige Gäste:

Malika Rabahallah, Direktorin des Filmfest Hamburg

Dr. Gregory Theile, Geschäftsführer KINOPOLIS

Florian Weischer, Co-Chairman Weischer.Media Die Moderation übernahm Rena Bargsten aus dem erweiterten Vorstand der VEEK.

Nach einer kurzen Vorstellungsrunde stand im Mittelpunkt der Diskussion die Frage, wie Kino heute Verantwortung übernimmt – wirtschaftlich, gesellschaftlich und kulturell. Das Thema bewegte die Mitglieder der VEEK so sehr, dass sie sich mit zahlreichen Fragen und Beiträgen rege in das Gespräch einbrachten.

Die aktuelle Lage des Kinos

Zum Auftakt stellten die Gastgeber die Frage, wie die Podiumsgäste die derzeitige Situation des Kinos einschätzen? Florian Weischer beschrieb die Lage als „ganz okay“ – doch seit der Pandemie sei deutlich zu spüren, dass vor allem unter 30-Jährige seltener ins Kino gehen. Regelmäßige Kinobesucher kämen im Schnitt dreimal pro Jahr, und obwohl 65 % der Filmerlöse weiterhin aus dem Kinogeschäft stammten, habe das Streaming mit Plattformen wie Disney+ oder Paramount+ den Markt nachhaltig verändert.

Dr. Gregory Theile ergänzte, dass mittlere Filme zunehmend Schwierigkeiten bei der Refinanzierung hätten – insbesondere, weil sich die Exklusivphase zwischen Kinostart und Streaming von vier Monaten auf rund sechs Wochen verkürzt habe.

Kino als Spiegel der Gesellschaft

Für Malika Rabahallah ist Kino „ein Ort, an dem Gesellschaft durch eine Lupe betrachtet wird“. Mit dem Filmfest Hamburg rücke sie modernes, vielfältiges Kino in die Mitte der Hamburgerinnen und Hamburger. Sie betonte, dass Kino und Filmfestivals Orte des gesellschaftlichen Dialogs seien. Das Filmfest Hamburg verstehe sich bewusst als politisches Festival mit Haltung – ein sogenanntes B Festival, das sich von großen A-Festivals wie Cannes, Berlin oder Venedig dadurch unterscheide, dass es auch Filme kleiner Länder und engagierte, hoffnungsvolle Geschichten zeige. „Ich würde mir wünschen, dass wir noch mehr Filme zeigen können, die Mut und Hoffnung machen“, so Rabahallah.

Haltung zeigen – auch wenn es unbequem ist

Gregory Theile hob hervor, dass das Kino mit rund 600 neuen Filmen pro Jahr eine enorme thematische Vielfalt biete – auch an kontroversen Stoffen. Nur selten gebe es Filme, die man wirklich nicht zeigen könne, etwa wenn sie offenkundige Propaganda enthielten. Er betonte, dass Kinos Verantwortung tragen, demokratische Werte zu schützen, etwa mit Pro-Bono-Spots wie „Geh wählen!“, die gesellschaftliche Teilhabe fördern. „Solches Handeln erfordert Mut“, so Theile, „denn es gibt immer wieder heftige Reaktionen, wenn man Haltung zeigt.“

Kino als Erlebnis- und Begegnungsort

Malika Rabahallah hob hervor, dass die Lust auf Kino ungebrochen sei – insbesondere dann, wenn Events und Begegnung Teil des Erlebnisses sind. Das Filmfest lege daher großen Wert auf den persönlichen Austausch mit Filmschaffenden und arbeite verstärkt mit Vereinen, Senioren und Schulen zusammen, um auch Menschen zu erreichen, die sonst keinen Zugang zu Kino- und Festivalangeboten hätten. In Frankreich, so Rabahallah, sei es selbstverständlich, dass Kinder regelmäßig mit der Schule ins Kino gehen – ein Modell, das sie sich auch für Deutschland wünsche.

Gregory Theile ergänzte, dass die Doppelnutzung von Kinos als Veranstaltungsorte für Unternehmen oder Hochschulen zunehmend an Bedeutung gewinne. Diese Events seien zwar aufwendig, aber entscheidend, um Kinos zu lebendigen und vielseitig genutzten Kulturorten zu machen.

Kino als einzigartiges Medium

Florian Weischer machte mit seiner Antwort auf die nachfolgende Fragen schließlich viel Hoffnung für die Zukunft des Kinos. Warum bleibt Kino trotz Digitalisierung so besonders? „Kino ist ein einzigartiges Medium“, erklärte er. „Für 90 Minuten tauchen Menschen gemeinsam in eine andere Welt ein – sie erleben eine Geschichte kollektiv, emotional und intensiv. Kinder tun das sogar körperlich.“ Zugleich warnte er vor der wachsenden Konzentration politischer und wirtschaftlicher Macht auf Social Media-Plattformen: „Zwei Drittel aller Werbe-Spendings fließen mittlerweile in diese Plattformen. Das bedeutet auch politische Einflussnahme.“

Malika Rabahallah fasste den Abend mit diesen Worten zusammen: „Künstlerinnen und Künstler sind immer auch politisch. Kino ist ein Spiegel der Gesellschaft – und manchmal auch ein Gegenentwurf. Es darf neben der kritischen Auseinandersetzung mit dem Zeitgeist auch wieder mehr Humor und Hoffnung bieten.“

Fazit des Abends

Kino ist heute weit mehr als ein Ort der Unterhaltung. Es ist ein Ort der Begegnung, der Haltung und der Verantwortung – und bleibt trotz aller Digitalisierung ein unverzichtbares Kulturgut. Sorgen um das Kino seien unbegründet, waren sich die Diskutierenden einig: Es habe seinen festen Platz in den Herzen der Menschen und entwickle sich in Themen und Technik stetig weiter.

Nach dem Gespräch luden KINOPOLIS und Weischer.Media zu Snacks und Networking ein. Zum Abschluss wurde der preisgekrönte Film „22 Bahnen“ gezeigt – ein bewegendes Kinoerlebnis über Familie, Träume und den Mut, den eigenen Weg zu gehen.

Die VEEK bedankt sich herzlich bei allen Teilnehmenden, Gästen und Partnern für einen inspirierenden Abend voller Denkanstöße und interessanter Begegnungen.

Veranstaltungsort

KINOPOLIS HafenCity Überseeboulevard 11 20457 Hamburg